Rune Jarstein wird zum Retter des Saisonauftakts

Der Berliner Stammtorwart sorgt mit einem spät parierten Elfmeter gegen den Aufsteiger Nürnberg für den 1:0-Sieg zum Bundesligastart.

Herthas Fans wussten genau, wem sie zu huldigen hatten. „Rune, Rune, Rune“, schallte es aus der Ostkurve, als sich die Berliner Profis nach dem knappen 1:0 (1:0) gegen Nürnberg feiern ließen. Besagter Rune, mit Nachnamen Jarstein und bei Hertha BSC als Torhüter beschäftigt, war mit einem gehaltenen Handelfmeter der Garant für diesen wichtigen ersten Sieg gegen den Aufsteiger. Allerdings hätten sich die Fans auch durchaus selbst feiern dürfen, denn als der Sieg fünf Minuten vor Schluss plötzlich am seidenen Faden hing, entfachten sie ein derart infernalisches Pfeifkonzert, dass Nürnbergers Elfmeterschützen Mikael Ishak wohl Hören und Sehen verging. Sein Versuch vom Punkt war jedenfalls eher durchschnittlicher Natur und Jarstein gut genug, um den erfolgreichen Saisonstart festzuhalten. „Rune hat uns heute gerettet“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai, „wir haben seit Wochen Elfmeter geübt wegen des DFB-Pokals. Das war bestimmt gut für ihn.“

Ibisevic ist wieder einmal zur Stelle
Die Serie hält also: Hertha startet zum dritten Mal in Folge mit einem Heimsieg gegen einen Aufsteiger in die Saison. Ein Erfolg, der große Erleichterung erzeugte. „Der erste Sieg ist wichtig“, betonte Valentino Lazaro, der das Siegtor durch Vedad Ibisevic mit einer prima Aktion vorbereitet hatte (27. Minute). Der Österreicher wusste: Hätten er und seine Kollegen schon die erste Pflichtaufgabe versemmelt, wäre der Druck sofort gestiegen – zumal in den kommenden Wochen anspruchsvolle Aufgaben warten, angefangen mit dem Spiel auf Schalke am nächsten Sonntag. So aber blieb es bei zwei kleinen Schockmomenten. Erst wurde Ibisevics Treffer vom Videoassistenten kontrolliert, schließlich aber doch gegeben, und später wurde der umstrittene Elfmeter gepfiffen, der Jarstein zum Helden werden ließ. Verursacht wurde der Strafstoß von Verteidiger Karim Rekik, der den Ball an die Hand bekommen hatte, die Entscheidung aber nicht nachvollziehen konnte: „Ich bin aus einem Meter angeköpft worden und der Ball hat nicht mal die Richtung geändert“, sagte der Niederländer.

Wenig überraschend war hingegen Dardais Startaufstellung ausgefallen. Echte Verstärkung hatte der Ungar in der Sommerpause nicht erhalten, folglich fand sich keiner der vier Zugänge in der Startelf wieder.

Liverpool-Leihgabe Grujic wird erst spät eingewechselt
Im Fall der Liverpool-Leihgabe Marko Grujic dürfte sich das zwar bald ändern, aber weil der Serbe erst seit vier Tagen mit dem Team trainiert, saß auch er zunächst auf der Bank. Stattdessen setzte Dardai auf die Mischung aus alten Bekannten und neuem 3-4-3-System, in dem die Abwehrreihe von Jordan Torunarigha (links), Rekik (zentral) und Niklas Stark gebildet wurde. Letztgenannter sorgte nach wenig berauschenden 19 Minuten für das erste Highlight der Partie – wenn auch unfreiwillig. Im Kampf um den Ball grätschte er gemeinsam mit Nürnbergs Yuya Kuba über die Auslinie und senste Club-Trainer Michael Köllner um.

So kurios die Szene war, so belebend war sie auch. Hertha nahm plötzlich Fahrt auf, entwickelte Druck. Maximilian Mittelstädt verpasste einen scharfen Steilpass von Torunarigha nur knapp, widerstand dabei aber dem Reflex, sich im Strafraum fallen zu lassen. „Der Gegenspieler hat zuerst den Ball gespielt“, sagte Mittelstädt über den Zweikampf mit Verteidiger Robert Bauer, „da dachte ich: Warum soll ich mich jetzt hinschmeißen? Es war ein normaler Zweikampf, da brauche ich keinen Elfmeter zu provozieren.“ Macht auch nicht jeder. Die erste gute Chance initiierte Salomon Kalou mit einem wunderbaren Steckpass auf Lazaro, dessen Schuss sein Ziel aber deutlich verfehlte (21.). Sechs Minuten später bewies der Österreicher jedoch, dass er auch Schweizer Präzision im Repertoire hat: Gegenspieler Tim Leibold ließ er an der rechten Grundlinie stehen wie einen Pappkameraden und danach einen scharfen Flachpass vors Tor folgen. Dort stand Ibisevic völlig blank und schob aus vier Metern trocken ein – 1:0 (27.). „Das war eine super Vorarbeit“, lobte der Kapitän.

Lazaro kritisiert die eigene Spielweise
Viel mehr gab es jedoch nicht zu loben. Hertha war zwar über weite Strecken das souveränere Team, aber dass der Berliner Kader rund 100 Millionen Euro mehr wert ist als der Nürnberger, war kaum zu merken. Eine Co-Produktion der Ex-Clubberer Marvin Plattenhardt (Freistoß) und Stark (Kopfball), blieb die beste Gelegenheit in Durchgang zwei, wurde aber von Gäste-Keeper Fabian Bredlow entschärft (50.). „Fußballerisch müssen wir zu Hause mehr aufs Parkett bringen“, sagte Lazaro, „aber es war der Saisonauftakt, deshalb ist das in Ordnung.“ Deshalb, und dank Jarstein, der beim Elfmeter fest entschlossen war. „Es war Zeit, dass ich mal wieder einen halte“, sagte er: „Als er angelaufen ist, habe ich mir gesagt: Das ist meiner.“

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