Valentino Lazaros Tempo ist Trumpf

Herthas Österreicher hat sich zu einem der besten Rechtsverteidiger der Liga entwickelt – und sich durch die neue Rolle verändert.

Dinge einfach laufen zu lassen, ist in Zeiten strikter Karriereplanungen etwas aus der Mode gekommen im Profifußball. Allein deshalb ist bemerkenswert, was gerade mit Valentino Lazaro (22) im Trikot von Hertha BSC passiert. Wer hätte gedacht, dass aus dem jungen Mann, der in der vergangenen Saison ein formidables Debüt als offensive Allzweckwaffe gab, innerhalb weniger Monate einer der besten Rechtsverteidiger der Bundesliga werden würde?

Lazaro selbst jedenfalls nicht. „Es ist schon richtig, dass ich mich ursprünglich etwas weiter vorne gesehen habe“, sagt er an diesem kalten Morgen. Die Luft, die er ausatmet, wird sichtbar, Lazaro trägt Mütze und Handschuhe. Das hat immer ein wenig was von Künstler, von südländischem Flair, packen sich doch vor allem die brasilianischen Fußballer zu dieser Jahreszeit gern so warm ein. Ein Brasilianer war es auch, den Lazaro als Bub verehrte. Wenn er mit den Freunden im Hinterhof kickte, war er der Ronaldinho der Truppe. Dessen Tricks versuchte er nachzuahmen, mal mehr, mal weniger erfolgreich, aber immer mit dem Ziel, es wie sein Idol auf die große Bühne zu schaffen. Nur als rechter Verteidiger? Das war jenseits seiner Vorstellungskraft. Und vermutlich auch der seiner Vorgesetzten.

Traumtor gegen Hoffenheim als vorläufige Krönung
Es war im Sommer, als Hertha Mitchell Weiser, der die meiste Zeit seiner drei Berliner Jahre recht erfolgreich hinten rechts reüssierte, äußerst gewinnbringend nach Leverkusen verkauft hatte (Ablöse: zwölf Millionen Euro). Ein Neuer wurde gesucht für diese Position, und weil Trainer Pal Dardai von Zugang Lukas Klünter nicht restlos überzeugt war und Peter Pekarik verletzt ausfiel, entschied er sich kurz vor dem Start für ein Experiment. Er zog Lazaro nach hinten, was der Spieler zuerst mit dezenter Begeisterung quittierte.

Inzwischen sagt er: „Ich freue mich über jedes Spiel, das ich hinten rechts bestreiten kann.“ Weil es eben Spaß macht, gut zu sein. Und weil dort die Einsatzchancen am größten sind. Bisher hat Lazaro noch keine Bundesliga-Minute in dieser Saison verpasst, neben Arne Maier durfte kein Berliner Feldspieler ein größeres Pensum abspulen, und natürlich ist er auch für das Spiel am Sonnabend bei Hannover 96 (15.30 Uhr, Sky) gesetzt.

Wie gut und wichtig Lazaro mittlerweile rechts in der Viererkette für Hertha ist, zeigte er wiederholt gegen Hoffenheim, als er die Berliner Aufholjagd mit seinem Traumtor zum 3:3 krönte. Doch war es nicht nur der Treffer, viel mehr waren es die ständigen Läufe und das ständige Einschalten ins Offensivspiel, was seine Leistung ausmachte. Im Zusammenspiel mit Mathew Leckie bildete Lazaro ein temporeiches Duo, immer wieder überliefen sie einander und stellten die Hoffenheimer vor unlösbare Probleme.

„Habe das Gefühl, dass jetzt einfach alles passt“
Mit seiner Ausdauer, der Athletik und der Fähigkeit, verwertbare Flanken zu schlagen, ist Lazaro wie geschaffen für die Position des Außenverteidigers. „Die Rolle habe ich gut angenommen. Man sieht’s ja auch in meinem Spiel, dass ich immer wieder nach vorn komme. Ich habe das Gefühl, dass jetzt einfach alles passt“, sagt er.

Dass Dardai den Österreicher dauerhaft hinten sieht, war im Vorfeld des Hoffenheim-Spiels zu beobachten. Es gab Gedankenspiele, Lazaro wieder auf seiner eigentlichen Position weiter vorn einzusetzen und Pekarik verteidigen zu lassen. Der Slowake ist international erprobt, besitzt mit 32 Jahren viel Erfahrung. Der Coach verwarf den Plan aber schnell. Der aktuell wackeligen Viererkette, der durch die Verletzung von Niklas Stark und Karim Rekik zwei Stammkräfte fehlen, wollte er keine weitere Änderung zumuten.

Lazaros Karriere kommt als Rechtsverteidiger ja gerade so richtig in Schwung. National und international gibt es dieser Tage nicht so viele Ausnahmekönner auf dieser Position. Die Chancen, dort auf sich aufmerksam zu machen, sind ungleich größer. „Für Valentino ist wichtig, dass er seine guten Leistungen jetzt konstant über einen längeren Zeitpunkt bestätigt“, sagt Herthas Co-Trainer Rainer Widmayer.

Der Nationalspieler profitiert von seiner Schnelligkeit
Natürlich weiß auch das Trainerteam um das Entwicklungspotenzial des eigenen Spielers. „Als Verteidiger kann er jetzt noch mehr von seinem enormen Tempo profitieren, weil er auf den Gegner zulaufen kann und nicht mehr so oft mit dem Rücken zu ihm stehen muss. Mit seiner Technik und der Schnelligkeit ist er in der Lage, immer am Gegenspieler vorbeizukommen“, sagt Widmayer.

Valentino Lazaro vernimmt das Lob gern, er muss schmunzeln, als er davon hört. In den kommenden Wochen will er seiner Strategie treu bleiben. „Es läuft sehr, sehr gut, also nicht drüber nachdenken und weiter drauflos. Das hat bisher am besten geklappt“, sagt er. Planen, da ist sich Valentino Lazaro ganz sicher, will er in Zukunft ohnehin nichts mehr.

 

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