Warnstreiks bei der BVG legen Teile des Busverkehrs lahm

«Warnstreik» steht auf dem Plakat an einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Foto: Paul Zinken

Kaum Busse und trotzdem volle Straßen in der Stadt: Ein Großteil der Berliner BVG-Busfahrer folgt am Donnerstag dem Warnstreikaufruf von Verdi. Die Tarifverhandlungen könnten derweil Fahrt aufnehmen.

Zahlreiche Buslinien der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben am Donnerstag das Depot nicht verlassen. Im laufenden Tarifkonflikt sind rund 1500 Fahrer dem Warnstreik-Aufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt. Die Beschäftigten sollten von 3.30 bis 22.00 Uhr die Arbeit niederlegen. Damit wollten sie den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen. Schon am Montag wollen beide Seiten wieder miteinander reden.
Berliner und Touristen mussten auf andere Verkehrsmittel umsteigen. In Tram, U- und S-Bahn sowie auf den Straßen wurde es besonders im Berufsverkehr eng. Umsteigebahnhöfe wie die Stationen Friedrichstraße und Hermannplatz seien besonders betroffen gewesen, sagte eine BVG-Sprecherin. Den Warnstreik hätten vor allem Menschen in den Bezirken außerhalb des S-Bahn-Rings mit schlechter Anbindung an das Straßenbahnnetz zu spüren bekommen.
Auch auf den Straßen war laut der Verkehrsinformationszentrale viel los. In der Innenstadt hätte es sich gerade am Morgen und ab dem frühen Nachmittag gestaut. Regen und Wind hätten den Verkehr zusätzlich verlangsamt.
Statt in den Bus dürften viele Menschen ins Taxi gestiegen sein. Hermann Waldner von Taxi Berlin sagte, es seien etwa 30 Prozent mehr Aufträge als an einem normalen Donnerstag eingegangen. Die meisten Anfragen seien aus Bezirken außerhalb des S-Bahn-Rings gekommen. Auch der Sammelfahrtdienstanbieter Clevershuttle sprach von rund 20 Prozent mehr Anfragen als an anderen Wochentagen. Die Fahrzeuge sind anders als der Dienst Berlkönig der BVG auch außerhalb der Innenstadt buchbar. Beim BVG-Shuttledienst gab es keinen Fahrgastanstieg.
Regulär unterwegs waren U-Bahnen und Trams sowie von Subunternehmern betriebene Busse. Für den nur über Busse an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossenen Flughafen in Tegel hatten die Betreiber einen Ersatz-Verkehr eingerichtet. Sechs Reisebusse pendelten zur Haltestelle Jakob-Kaiser-Platz, sagte ein Flughafensprecher. Zudem kümmerten sich 20 Mitarbeiter an Flughafen und Haltestellen um Fragen der Passagiere.
In der Innenstadt warteten mehrere Menschen an den Haltestellen. Anders als an U- und S-Bahnstationen gibt es nur an wenigen Berliner Bushaltestellen elektronische Anzeigen, die Fahrgäste auf aktuelle Geschehnisse hinweisen.
Der Sprecher der Gewerkschaft Verdi, Andreas Splanemann, zeigte sich zufrieden. «Die Bus-Depots sind voll», sagte er am Mittag. Laut BVG-Kreisen hat die Arbeitgeberseite die Verhandlungspartner am Montag zu Tarifgesprächen eingeladen. Zuvor hatte der RBB darüber berichtet. Verdi kündigte an, die Einladung anzunehmen. Eine Lösung des Konfliktes sei aber nur dann möglich, wenn die Arbeitgeber ein besseres Angebot vorlegten. Die nächste offizielle Verhandlungsrunde ist für den 28. März geplant.
Verdi hatte das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite als unzureichend abgelehnt. Es führe zu einer Arbeitszeitverdichtung. Die Gewerkschaft will für die rund 14 000 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport unter anderem eine 36,5-Stunden-Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Heute arbeitet knapp die Hälfte der Beschäftigten des Landesunternehmens 39 Stunden.
Bereits Mitte Februar hatte es einen großen Warnstreik in der Hauptstadt gegeben. Neben Bussen blieben auch viele U-Bahnen und Straßenbahnen stehen. Anders als am Donnerstag galt der Streikaufruf damals nur für acht Stunden.

 

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